____________ Sabine Niemeyer ____________

Beitrag entnommen aus
»Erlebt, erzählt und aufgeschrieben«
Ausgabe 2011
R.G.Fischer Verlag
Weihnachten im Schnee in Köln 2010 – Besuch der Eltern
Seit der Kindheit meines Mannes (47) hatte es in Köln keine weiße Weihnacht mehr gegeben – nun war Köln eingeschneit.
Dieses Jahr sollten meine Eltern aus der Nähe von Hildesheim wieder Weihnachten zu uns, ihrer Tochter mit ihrem Mann, in die Kölner Südstadt kommen. Wir hatten uns im Vorfeld erkundigt, ab wann meine Eltern, (67 und 77 Jahre), Fahrkarten bei der Bahn für die Weihnachtstage kaufen konnten: in diesem Jahr war es ab dem 2. November. Meine Eltern hatten sich dann auch Fahrkarten besorgt: Sie wollten am 1. Weihnachtstag um 9:43 Uhr in Hildesheim losfahren, um 10:10 Uhr in Hannover sein, dort um 10:31 Uhr nach Köln abfahren und dann um 13.09 Uhr in Köln ankommen. Wir hatten schon hin und her überlegt, welches Weihnachtsmenü es geben sollte und uns entschlossen, doch wieder das Menü aus dem letzten Jahr zu kochen.
Die Straßen in Köln waren so verschneit, dass wir uns nicht trauten, mit unseren Autos ohne Winterreifen zu fahren und auf das Taxi auswichen. Am Heiligen Abend riefen wir die Taxizentrale an, wir hingen ca. 20 Minuten in der Warteschleife und das Taxi kam dann nach weiteren 30 Minuten. Bei der Mutter meines Mannes verbrachten wir einen schönen Heiligen Abend. Leider konnte die Freundin vom Stiefvater nicht dabei sein, da sie im Krankenhaus lag. Wir telefonierten auch mit meinen Eltern und baten Sie, sich am nächsten Tag ein Taxi vom Bahnhof zu unserer Wohnung zu nehmen. Später am Abend bestellten wir dann wieder ein Taxi, erst war immer besetzt, später kamen wir dann doch durch: Das Taxi sollte in einer Stunde kommen, es kam dann doch schon nach einer halben Stunde. Wieder zurück in unserer Wohnung saßen wir noch lange in unserem weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer und schauten den brennenden Kerzen zu …
Am nächsten Morgen schliefen wir aus. Wir freuten uns schon sehr auf den Besuch der Eltern. Wir hatten alles eingekauft, fehlte nur noch der Besuch. Gegen 11:00 Uhr klingelte mein Handy: meine Mutter war dran und sagte, sie würden Weihnachten nicht mehr zu uns kommen, in Hannover würde kein Zug mehr nach Köln fahren, das hätte man auch den anderen Reisenden in diese Richtung gesagt. Ihnen wäre kalt und sie wären jetzt auf dem Rückweg von Hannover nach Hildesheim in einer S-Bahn. Ich rief sofort die Bahn-Hotline an. Man sagte uns, dass der Zug, mit dem meine Eltern fahren wollten, einen Motorschaden gehabt hatte und somit 50 Minuten Verspätung habe. Die nächste Möglichkeit für meine Eltern wäre um 11:43 Uhr in Hildesheim abzufahren und dann um 12:31 Uhr in Hannover, Ankunft: 15:09 Uhr in Köln. Der Zug aus Berlin nach Hannover habe momentan 10 Minuten Verspätung. Wir riefen meine Eltern nochmal auf dem Handy an und sie sagten, dass sie meinen Bruder schon angerufen hatten, er sollte sie in Hildesheim vom Hauptbahnhof abholen und nach Hause fahren. Wir sagten ihnen, dass sie doch wieder nach Hannover zurückfahren und den nächsten Zug um 12:31 Uhr nach Köln nehmen sollten. Wir wären ganz traurig, wenn sie nicht kommen würden. Daraufhin rief ich meinen Bruder an und bat ihn, meine Eltern nicht wieder nach Hause zu fahren, sondern von Hildesheim nach Hannover zu bringen, damit sie von dort aus nach Köln fahren könnten. Zwischendurch schauten wir im Internet nach den Zugverbindungen. Wir hofften, dass sie den Zug um 12:31 Uhr noch erreichen würden, weil der nächste Zug um 14:31 Uhr aus irgendwelchen Gründen nicht in Köln halten sollte. Meine Eltern meldeten sich zwischenzeitlich: Sie hatten sich dann doch entschlossen, nach Hannover zurückzufahren und bekamen dort gerade so den Anschlusszug nach Köln. Leider mussten sie die ganze Fahrt im Zug stehen. Zwei Stunden später als ursprünglich geplant kamen sie dann endlich in Köln an. Sie nahmen sich ein Taxi und waren gegen 15:30 Uhr bei uns in der Wohnung. Wir freuten uns sehr.
Wir tranken erstmal zusammen Kaffee. Eigentlich wollten wir ihnen Waffeln anbieten, leider waren diese am 24. ausverkauft. So gab es Muffins, die fast genauso gut schmeckten. Wir überlegten, einen Spaziergang zu machen. Aber wir hatten Angst, dass wir auf den vereisten Gehwegen noch fallen könnten und beschlossen zu Hause zu bleiben. Gegen Abend kam die Mutter meines Mannes dazu. Es hatte für die Eltern fast schon Tradition, sich am 1. Weihnachtstag abends bei uns zu treffen. Die Eltern unterhielten sich im Wohnzimmer angeregt mit meinem Mann, während ich in der Küche das Weihnachtsmenü zubereitete: Pilzsuppe, Hirschmedaillons mit Selleriepüree und Mouse au Chocolat. Zum Abschluss wollten wir noch eine Feuerzangenbowle anbieten, aber unseren Eltern war das zu viel. Die Mutter meines Mannes verabschiedete sich gegen 23 Uhr und nahm sich ein Taxi und meine Eltern wollten auch gern schlafen. Wir hatten ein neues ausklappbares Schlafsofa, was wir meiner Mutter anboten. Meine Mutter bestand aber auf ihrer Klappmatratze, die sie sonst bei ihren Besuchen auch immer benutzte. Ich ging in den Keller und holte die Matratze, die von anderen Gegenständen zugestellt war.
Am 2. Weihnachtstag schliefen wir länger und frühstückten ausgiebig.
Später fuhren wir mit dem Taxi zum Hauptbahnhof, wo meine Eltern ihr Reisegepäck deponierten und wir uns nach den Zügen nach Hannover erkundigten. Momentan waren noch keine Verspätungen bekannt. Wir gingen dann wie in den letzten Jahren in das Weinhaus »Zum Bären« in der Kölner Altstadt zum Essen. Vorher machten wir noch einen Schlenker auf den Weihnachtsmarkt am Heumarkt, der am 2. Weihnachtstag noch geöffnet war, und tranken dort einen Glühwein.
Im Weinhaus »Zum Bären« hatten wir in diesem Jahr einen Tisch im Erdgeschoß und nicht im dunklen Kellergewölbe, wie in den Jahren zuvor. Im Weinhaus bewunderten wir u. a. den schönen Weihnachtsbaum über der Tür sowie die schöne Weihnachtsdekoration. Später erzählten uns die Kellner, dass sie eine Woche geschmückt hätten, damit das Weinhaus so weihnachtlich aussah. Anschließend brachten wir meine Eltern zum Zug, der pünktlich abfuhr und meine Eltern fast ohne Verspätung nach Hause brachte.
Was wäre das für ein trauriges Weihnachtsfest ohne meine Eltern gewesen! Fast wären Sie nicht gekommen …
Anschließend schmökerte ich noch ein bisschen in den »Weihnachtsgeschichten am Kamin« und dann war Weihnachten vorbei …
Am nächsten Tag waren wir wieder in der Realität angekommen und kämpften uns in unseren Büros durch die E-Mailflut, von der wir fast erschlagen wurden. Beim Mittagessen in der Firmenkantine erfuhr ich, dass meine Freundin über Weihnachten krank war und ganz allein bei sich in der Wohnung gelegen hatte. Das Weihnachtsmenü, das sie sonst in ihrer Familie zubereitet hätte, mussten ihr Bruder und ihr Vater kochen und sie sollen es gut hinbekommen haben.


